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100 Jahre Hunsrückbahn Boppard - Emmelshausen - (Pfalzfeld)
Fester Einband gefüllt mit  250 Seiten!
Verkaufspreis 9,80 € + 1,50 € Porto
Verkaufsstellen Stadtverwaltung Boppard, ZAP in Emmelshausen
oder über den Webmaster dieser Seite
webmaster@hunsrueckquerbahn.de

Auf diesen Seiten möchte ich Ihnen die Strecke Boppard - Simmern vorstellen.
Mein Hauptaugenmerk liegt dabei auf den Betriebsstellen.

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„Erinnerungen an die Hunsrückbahn!“

von Harald Müller, Bad Godesberg 

Am 12. Juni 1980 fuhr ich mit der „Hunsrückbahn“ – die Boppard auf der einen Seite als Ausgangspunkt hatte und Simmern am anderen Ende. Ich wollte unbedingt einmal mit dieser Bahn zwischen Külz – meinem „Stützpunkt“ auf dem Hunsrück – und Boppard fahren, da ich von meiner Großmutter Elisabetha Müller, geborene Bender aus Külz und ebenso von meinem Vater Rolf Müller immer wieder Geschichten über die romantische Streckenführung gehört habe. 
So nahm ich im Juni 1980 die Gelegenheit wahr und packte tags zuvor meine „Ente“ – Citroen 2CV und startete frühmorgens in Richtung Süden. Von meinem damaligen Heimatort Grevenbroich befuhr ich die Bundesstraße 477 bis in die Eifel, vorbei am Nürburgring, Ulmen bis hinab nach Cochem. Sodann ging es die Mosel abwärts bis Treis-Karden, wo ich die Moselbrücke überquerte und über Lieg, Lahr und Zilshausen schließlich Uhler und Kastellaun erreichte. Hier durch fuhr ich die
Innenstadt, den Berg hinauf Richtung Haselbach und Alterkülz bis ich endlich an Neuerkirch vorbei meinen Zielort Külz in Höhe des Bahnüberganges beim „Kleine Stuffel“ erreichte. Noch ein kurzes Aufheulen des 2 Zylinder Boxermotors und kurz um die Ecke „beim Martin“ den Berg hinunter über den Bahnübergang zur Überbach.
Ein kurzes Aufheulen, sämtliche freilaufenden Hühner der Überbach wurden verscheucht und die Nachbarn wunderten sich über das hellblaue Ungetüm mit dem für Külzer Verhältnisse nicht gerade bekannten Kennzeichen. Mit Schwung ging's links in den Hof von „unne Dummese“ und vor dem damals noch reichlich vorhandenen Misthaufen kam mein Gefährt zum Stillstand.
Tante Inge nahm mich mit meinen Reiseutensilien sogleich in Empfang. Onkel Hugo war noch irgendwo in Stall oder Scheune unterwegs. Erst mal gab es Kranz und Kaffee, denn „dat Enkelche von Dummese Lisa“ musste ja erst mal gestärkt werden...... ! Und Tante Lina – Schwester meiner Großmutter – erzählte wieder alles Mögliche, was ich leider nicht immer verstanden habe, aber das machte ihr nichts .... !
Nachdem ich Tante Inge und Onkel Hugo von meinem Vorhaben unterrichtet hatte – sie wussten von meinem Faible für die Eisenbahn – beschloss ich gleich am nächsten Tag mit der Hunsrückbahn nach Boppard zu fahren.
Also begab ich mich frühmorgens zum Bahnhof Külz. Um 7.28 Uhr kam der Schienenbus von Keidelheim heran und kündigte sich bereits durch sein Signalhorn frühzeitig an, da er mehrere Feldwege und Straßen kreuzen musste. Hier bestand die Vorschrift des Pfeifens. Älteren Mitbürgern werden noch die Schilder „LP“ – Läuten und Pfeifen -  in Erinnerung sein. Hier mussten zur Dampflokzeit noch die Lokomotiven „Läuten und Pfeifen“ – 1980 wurde nur noch gepfiffen.
Der Schienenbus – bahnintern Baureihe VT 98.9 (zugelassen für die Steilstrecke Boppard-Buchholz) oder nach Umstellung auf Computerzahlen 798 – erreichte gegen halb acht also den Külzer Bahnhof. Den Fahrschein (abgebildet) erhielt ich vom Fahrer, der den Schienenbus schon damals im Einmannbetrieb fuhr, d.h. der Schaffner wurde bereits eingespart und im Beiwagen durften nur Fahrgäste mit Sichtkarten Platz nehmen. Für mich ein Vorteil, denn so kam ich mit dem Triebfahrzeugführer (so heißt er amtlich) ins Gespräch und er erlaubte mir, das ich auf dem Schaffnerplatz neben ihm sitzen durfte. Zum Einen konnte ich herrlich die Strecke beobachten, zum Anderen konnte ich dank der Nähe zum Fahrer immer mal ein paar Informationen erhalten und während des Haltens auf den Bahnhöfen auch mal Aussteigen, um einige Fotos zu machen. (Anmerkung Webmaster: Im Hunsrück wurden alle Züge mit Zugführer (Schaffner) gefahren. Vermutlich hatte der Kollege Schaffner einen schlechten Tag und ruhte im Packabteil)
Nachdem Schulkinder, Berufstätige und Sommerfrischler die Bahn verlassen oder zugestiegen waren, brummte der Dieselmotor auf und los ging die Fahrt über die Bundesbahn-Kursbuchstrecke 606 Richtung Boppard. Der Schienenbus – ursprünglich in weinrot lackiert – hatte damals eine von Schulkindern angebrachte Verzierung in Form von handgemalten Bildern und Zierlinien. Auch eine Form von Verschönerung im Gegensatz zu den heute üblichen Graffiti-Schmierereien.


Etwas zur Geschichte der Bahn – nachzulesen u.a. in einem mir vorliegenden Sonderheft der „Hunsrücker Heimatblätter“ vom August 1989 (Heft 77):

Die Nebenbahn von Boppard nach Simmern wurde in ihrer ganzen Länge am 3. August 1908 eröffnet. Teilstrecken wurden bereits früher freigegeben, so von Simmern nach Kastellaun mit den Zwischenstationen Keidelheim, Külz, Alterkülz und Bell am 1. Oktober 1906 – von Kastellaun nach Pfalzfeld mit den Stationen Hollnich, Ebschied, Dudenroth, Lingerhahn am 1. Oktober 1906 sowie das restliche Streckenstück zwischen Pfalzfeld und Boppard mit den Stationen Leiningen, Emmelshausen, Ehr, Fleckertshöhe und Buchholz am 3. August 1908. Erwähnenswert ist die ehemalige Zahnradstrecke zwischen Boppard und Buchholz. Hier wurde bis zum Ende der 20er Jahre Zahnrad-Dampflokomotiven der Baureihe 97 eingesetzt. Doch nun zurück zur Fahrt nach Boppard:  

Der Schienenbus verließ den Külzer Bahnhof – wenn man die Wellblechbude so nennen durfte – in Richtung Neuerkirch – Alterkülz. Vorbei an „Kleine Stuffel, dem Bäcker Lenhart auf der Külzer Seite und dem Kaufhaus Ostendorf auf der gegenüberliegenden Seite der Schienen fuhr der Zug über den Bahnübergang in einen Einschnitt unterhalb der Straße Külz – Alterkülz. In Neuerkirch bestand kein Haltepunkt, es ging in schneller Fahrt entlang der Landstraße  Richtung Alterkülz. Der Bahnhof befand sich hier am Ende des Dorfes im Ortsteil Wehr, so fuhr der Zug erst einmal entlang des Dorfes um am Ortsausgang anzuhalten und weitere Fahrgäste aufzunehmen. Weiter ging's in Richtung Hunsrückhöhenstraße (B 327) zum Bahnhof Bell. Er liegt 466,4 Meter über dem Meeresspiegel, nur noch der Bahnhof Lingerhahn weist eine größere Höhe auf – 481,3 Meter. Von Bell ging es knapp 2 Kilometer bergab Richtung Kastellaun. Der Bahnhof zeichnete sich durch größere Gleisanlagen aus und befand sich in Streckenkilometer 15,1km. Kastellaun war ein Umschlagplatz für landwirtschaftliche Erzeugnisse, Holzabfuhr u.a. – Interessant ist hier, das im Kursbuch 1944 extra ein Zugpaar verzeichnet ist, das nur an Markttagen zwischen Simmern und Kastellaun pendelte.
Die Abfahrt nach Boppard erfolgte pünktlich um 7.47 Uhr – nachdem ich ein Foto vom Schienenbus unter Einhaltung der Fahrtzeiten gemacht hatte. Der Zug erreichte Hollnich, Ebschied, Dudenroth und schließlich seinen „Höhepunkt“ – wie bereits erwähnt – in Lingerhahn beim Streckenkilometer 25,7km in 481,3 Metern Höhe.
Zum  Bahnhof Ebschied sei noch vermerkt, das er weit ab vom eigentlichen Ortskern zwischen wenigen Gehöften am Waldrand liegt. –

Man beachte einmal, das mein Vater mit seiner Mutter von Düsseldorf kommend hier die Bahn oft verlassen haben, um zu Fuß über Laubach nach Horn zu kommen. Busse gab es noch nicht. Und Autos hatten nur wenige. Meist kamen sie spät nachmittags bzw. abends mit dem letzten Zug von Boppard – und das ohne Handy oder telefonische Ankündigung.  

Abfahrt von Lingerhahn in Richtung Pfalzfeld, Leiningen und Emmelshausen war 8.03 Uhr ! Durch Wald und Feld schlängelte sich die Strecke – vorbei am Wasserturm in Pfalzfeld – bis zum Bahnhof Emmelshausen. Interessierte konnten hier zum Zeitpunkt der Fahrt noch an der Wand des Empfangsgebäudes den ehemaligen Namen des Bahnhofes erkennen: „Halsenbach“ - Auch in Emmelshausen waren umfangreiche Gleisanlagen mit Überholmöglichkeiten für Zugkreuzungen, Austausch von Wagenladungen etc.  Hier ist heute der Endpunkt des von Boppard kommenden Nahverkehrszug. Emmelshausen verließ der Schienenbus um 8.23 Uhr in Richtung Buchholz. Die Strecke führte bereits hier leicht bergab und erreichte über Ehr und Fleckertshöhe den ehemaligen Endpunkt der zahnradbetriebenen Steilstrecke in Buchholz. Ein stattliches Empfangsgebäude und ebensolche Gleisanlagen zeugten noch bis vor kurzem von der ehemaligen Bedeutung dieses Bahnhofes. In Buchholz wechselte auch die verwaltungsmäßige Zuständigkeit im Bahnbereich. Betriebs- und Maschinenamt, Bahnmeisterei und Generalvertretung wechselten nun von Trier bzw. Neunkirchen nach Koblenz. Die Steilstrecke gehörte also zur Generalvertretung Koblenz. Bei Erreichen des Bahnhofes Buchholz hatte der Schienenbus bereits 46,51km gefahrene Kilometer hinter sich gebracht. Nun kam aber das schwerste Stück. Die Abfahrt über 16,5 Promille in Richtung Rheinstrecke über 3 Brücken und 5 Tunnels. 328,5 Meter tiefer fuhr der Schienenbus in den Bahnhof Boppard ein. Pünktlich um 8.53 Uhr stand er am Bahnsteig und ich konnte mich nach einer interessanten Fahrt erst einmal in das schöne Rheinstädtchen Boppard begeben. Meine Rückfahrt stand erst für den Nachmittagszug an. Nachdem ich den alten Bahnhof verlassen hatte, schlenderte ich durch die Altstadt und besuchte das Römerkastell und die St.-Severus Basilika bis schließlich am frühen Nachmittag die Rückfahrt nach Külz anstand. Am Bahnsteig stand schon der Schienenbus für die Bergfahrt nach Buchholz startbereit. Die Rückfahrt genoss ich im schönsten Sonnenlicht. Das Signal zeigte grünes Licht und pünktlich um 14.21 Uhr bekam der Dieselmotor den Befehl „Abfahrt“ und langsam schob sich der Triebwagen den Berg hinauf. Um 15.44 Uhr hielt er wieder in Külz am Bahnhof – rechtzeitig zum nachmittäglichen Kaffeetrinken.

Eine weitere Fahrt mit der Hunsrückbahn konnte ich im Sommer 1983 unternehmen. Leider schon auf der verkürzten Strecke von Boppard nach Emmelshausen. Aber auch hier eröffnete sich mir eine Möglichkeit, die verbliebene Strecke noch mit der Video-Kamera zu filmen. Bedingt durch den Einsatz von Wendezügen – Lokomotive der Baureihe 213 des Bw Giessen – konnte ich nach Rücksprache mit dem Triebfahrzeugführer wieder wie 1980 auf dem Schaffnersitz im „Silberling“ genannten Wendzugsteuerwagen Platz nehmen und die Fahrt durch die Tunnels und über den Hubertusviadukt bis nach Emmelshausen durchgehend filmen. Es war herrlicher Sonnenschein und der Film beweist noch heute, wie schön der Hunsrücker Wald ist. Eine nette Episode erlebte ich noch in Buchholz. Hier hatten wir etwas Aufenthalt und durch den intensiven Kontakt mit dem Fahrzeugführer erhielt ich die Möglichkeit, mit ihm im ehemaligen Buchholzer Bahnhof nach einem Buchfahrplan der befahrenen Kursbuchstrecke 606 zu suchen. Nach einigem Hin und Her fanden wir tatsächlich den gewünschten Plan im Anbau des Bahnhofsgebäudes. Ich betrachtete ihn schon damals mit etwas Wehmut, da er noch oder besser gesagt gott sei dank die gesamte Strecke von Boppard nach Simmern zeigte. Solche Buchfahrpläne sind sehr interessant, zeigen sie nicht nur die Abfahrtzeiten des jeweiligen Bahnhofs auf Millimeterpapier incl. Zugkreuzungen, sondern auch die Bahnmeistereigrenzen und viele andere Informationen wie Steigungen und Gleisanlagen in schematischer Darstellung. Ebenfalls werden die Hierarchien der Bahnhöfe festgelegt.

In Emmelshausen konnte ich während der Rangierfahrten mit der 213 (Diesellokbaureihe) auf dem Führerstand mitfahren. Auf dem Nebengleis stand ein „KL“ Kleinwagen mit Anhänger eines Bautrupps der Bundesbahn. So ging es nach einem ausgedehnten Waldspaziergang um Emmelshausen wieder zurück nach Boppard.  

Aber wie sieht es heute aus – die Kursbuchstrecke 606 ist teilweise nun Geschichte und nichts erinnert mehr an den ehemaligen Schienenstrang...... oder doch? Der Schotterpfad für das Eisenross wurde zwischenzeitlich gegen einen gut geteerten Fahrradweg ausgetauscht und eifrige Radler können nun sicher und ohne Autoverkehr von Simmern in Richtung Kastellaun durch Külz radeln. Die Schienen am Bahnübergang zur Überbach wurden bereits 1999 im Rahmen der Umgestaltung entfernt. An Bahnbauten findet der kundige Sucher in Külz nichts mehr, da es hier keine Hochbauten am Haltepunkt mehr gibt. Lediglich erahnen kann man noch die Lage des Ausweichgleises. Hier sind die Schottersteine noch vorhanden. Aber auch hier zeigt die Natur bereits Ansätze zur Wiedereroberung der Brachfläche. 

Doch weiter in Richtung Kastellaun sind noch ehemalige Bahnhofsbauten vorhanden. In Emmelshausen wurde das Bahnhofsgebäude renoviert und der neue DB-Schriftzug „Deutsche Bahn“ hielt Einzug. Ein Gleis wird noch für die hier stattfindenden Fahrten genutzt. Die Weichenanlage an der Bahnhofseinfahrt ist zwar noch vorhanden, die Schienen zeigen aber durch Bewuchs und Rost von ungenutzter Lage.  

Weiter in Richtung Buchholz muss der Bahnreisende heute mit einem ultramodernem Haltestellenkomplex vorlieb nehmen, wie man sie bereits von großstädtischen Stadtbahn-Anlagen her kennt. Das alte Bahnhofsgebäude war nicht mehr zeitgemäß und wurde abgerissen. Wahrscheinlich hat sich kein Käufer gefunden..... ! 

Gerne erinnere ich mich an die Fahrt mit der „Hunsrückbahn“ wenn ich heute im Jahr 2001 über die „B327“ – die Hunsrückhöhenstraße - mit meiner Familie nach Külz fahre und nach der Abbiegung von der B327 in Richtung Ebschied schwenke und am ehemaligen Bahnhof vorbeikomme. Wie lange lag hier die Schienenstrecke  völlig zugewachsen und ohne Verkehr neben dem Bahnhofsgebäude. Nur das stete Rupp-rupp beim Überqueren der Schienen erinnerte bis vor zwei Jahren noch an den einmal so wichtigen Verbindungsweg vom Rhein hier herauf. Der Omnibus fährt zwar durch die Ortschaften und gewährt so oft eine nähere und bequemere Anreise, die romantische Eisenbahnreise ersetzt er aber nicht! 

Harald Müller – Bad Godesberg am Rhein im April 2001

Streckenkarte erstellt nach Unterlagen aus den 1950 Jahren